faq! – Oft gefragte Fragen (OgF 1)

Noch ist meine neue Heimseite nur links relativ aktuell (also die linke „dumusstdichentscheiden“-Jungenlexikon-Seite). Und selbst diese wird von der Wirklichkeit – wie zum Beispiel dem Gewinnspiel: „Aus, aus, das Spiel ist aus!“ – immer wieder überholt.

Was ich aber auf Pautsch.net unbedingt unterbringen will, ist die Rubrik „oft gestellte Fragen“.
In fremder Zunge auch gern mit „faq“ für „frequently asked questions“ abgekürzt.

Immer wieder bekomme ich E-Mails von Menschen, die z.B. wissen wollen, wie (oder wann) ich auf meine Ideen komme. Schüler fragen das für Referate oder Buchvorstellungen im Unterricht. Auch bei Lesungen wird diese Frage gern gestellt. Sie dürfte die meist gefragte Frage an Autoren sein, schätze ich. Sozusagen ein UltraFuck, äh … Faq ;-)

Frage: Wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Ideen?

Antwort: Ich möchte hier ein sehr aktuelles Beispiel für eine Inspiration geben. Wenn also der Autor von der Muse geküsst wird. In diesem Fall passt die Metapher, denn es handelt sich tatsächlich um das Bild von Lippen, die sich treffen:
Der Kuss

Die küssenden Fische – dieses Titelbild eines Aquarienbuchs von Alfred van den Nieuwenhuizen aus dem Jahr 1962 hat mich inspiriert. Ich glaube nicht wirklich, dass sich diese Fische küssen. Eher sind es Männchen, die ihren Revierkampf mit den Lippen austragen, auf dass der Stärkere gewinnt. Dieses Buch – EXOTEN IM AQUARIUM – ist sehr liebevoll gestaltet, mit extra eingeklebten Bildern des begeisterten Aquarianers und begnadeten Fotografen Nieuwenhuizen. Ich habe es seit über zwanzig Jahren und räume gerade meine Bibliothek aus, um Platz zu schaffen … und dann dieses Bild!

Setzte bei mir sofort die Geschichte eines unglücklichen Mannes meines Alters frei. Ein einsamer Aquarianer mit sehr vielen Becken! Vielleicht ist ihm die Frau weggelaufen, weil er sich mehr um die Fische und die Fotographie gekümmert hat, als um den Menschen, den er am meisten liebte.
Vielleicht liebte er seine Frau nicht mehr. Vielleicht ist sie nicht gegangen, sondern gegangen WORDEN …
Vielleicht starrt der einsame Aquarianer in dieses Becken, es mag ein großes, liebevoll gestaltetes Landschaftsaquarium von der Fläche zwei mal ein Meter sein …
Ist es ganz neu?
Ist der Boden darunter aus frischem Beton gegossen? (Natürlich, damit er das Gewicht des neuen Beckens tragen kann!)
Seit wann wird seine Frau vermisst?
Haben die Nachbarn nicht fast eine Woche lang ein regelmäßiges Hacken gehört?
Und die Säcke, die er früh morgens zum Auto getragen hat?
Eine elektrische Säge? Sind Sie sich ganz sicher? Das haben Sie gehört?

Ich sehe diesen Mann, etwas übergewichtig, sehr gepflegt, der seinen bequemen Ledersessel ganz nah an die Panoramascheibe des Aquariums gerückt hat. Ein Glas Rotwein in der Hand, mit dem Abfülldatum der Eheschließung. Nur zehn Jahre später. Der besondere Tropfen, extra aufgehoben zum Hochzeitstag. Er starrt in das Becken. Er sieht zu, wie sich die Fische zu küssen scheinen.
Ein Kommissar taucht auf. Und stellt Fragen. Vielleicht besser eine Kommissarin. Eine Frau.
Und der Mann kann alle Fragen beantworten – während er die Fische beobachtet, wie sie um ihr Revier kämpfen.
Und die Frau sagt: „Sehen Sie, die küssen sich ja!“ Sie ist begeistert. Denn es sieht so zärtlich aus.
Und der Mann sagt „Ja“, lächelt und steht aus seinem Sitz auf. Die Rotweinflasche in seiner Hand …

Die Heldin könnte Hanna Broder, die Kommissarin aus TÖDLICHE STILLE sein.

Der Kuss

So funktioniert das mit der Idee, der Muse und dem ganzen Rest ;-)

Gruß und Kuss – Oliver Pautsch

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