Nochmal Schule (Alter Sack ;-)

15. Dezember 2007

Es ist wirklich merkwürdig, an seiner alten Schule vorzulesen. Wenn die alte Schule auch noch Handlungsort der Geschichte ist, wird es besonders spannend …
Ich war heute am Helmholtz-Gymnasium in Hilden zur Lesung aus meinem Jugendkrimi SIE KRIEGEN DICH eingeladen. Das erste Mordopfer wird in diesem Buch im Müllcontainer neben dem Haupteingang gefunden. (Und die Container stehen immer noch da!)

Auf der Fahrt nach Hilden fiel mir auf, dass die Schüler zur Zeit meines Abiturs 1985 noch nicht einmal GEBOREN waren.

„Ja, kannste mal sehen. Willkommen im Club!“, grinste mein Englischlehrer, den ich auf dem Flur traf.

Die Lehrer haben sich, scheint es, weniger verändert als ich mich selbst, fiel mir auch noch auf. Im Lehrerzimmer, das ich früher NIE betreten hatte, kam ich mir groß, dick und grauhaarig vor. Während einige des Personals immer noch so, na gut, fast so, wie früher aussahen. Meine ehemalige Deutschlehrerin jedenfalls schien sich überhaupt nicht verändert zu haben.

Luis, mein halb fünf jähriger Sohn, wollte unbedingt mit in die Schule. Ich habe sie ihm gezeigt, und einige Geschichten erzählt, weil wir früh genug am Start waren.

Auf der Fahrt nach Hilden hat er mich dauernd nach deutschen oder englischen Vokabeln gefragt. das macht er sonst nie: „Was heißt ‚cat‘?“, „Was heißt ‚ja‘?“, „Was heißt ‚boy‘?“. Ich kam mir schon auf der Fahrt fast wieder wie früher, wie bei einem unangemeldeten Test vor ;-)

Die Klasse 8 hat mir nach der Lesung noch ein kluges Loch in de Bauch gefragt. So viele dezidierte Fragen zu meiner Arbeit, Arbeitsweise, Inspiration, Einkommen, etc. hatte ich noch nie!

Fazit: Es war ein besonderes Erlebnis im HGH.
Die Bude sieht noch genau so aus wie früher. Die Lehrer fast auch (Phänomen!), nur die Pinkelbecken auf dem Schülerklo scheinen tiefer zu hängen als sonst.

Schulen sollten Exschüler unbedingt öfter einladen. Wenn diese Ehemaligen zufällig Autoren sind, unterstützt diese Besuche der Friedrich-Bödecker-Kreis finanziell. Ich danke der Schule und dem Verein für die Einladung zu dieser Veranstaltung!


faq! – Oft gefragte Fragen (OgF 1)

31. Oktober 2007

Noch ist meine neue Heimseite nur links relativ aktuell (also die linke „dumusstdichentscheiden“-Jungenlexikon-Seite). Und selbst diese wird von der Wirklichkeit – wie zum Beispiel dem Gewinnspiel: „Aus, aus, das Spiel ist aus!“ – immer wieder überholt.

Was ich aber auf Pautsch.net unbedingt unterbringen will, ist die Rubrik „oft gestellte Fragen“.
In fremder Zunge auch gern mit „faq“ für „frequently asked questions“ abgekürzt.

Immer wieder bekomme ich E-Mails von Menschen, die z.B. wissen wollen, wie (oder wann) ich auf meine Ideen komme. Schüler fragen das für Referate oder Buchvorstellungen im Unterricht. Auch bei Lesungen wird diese Frage gern gestellt. Sie dürfte die meist gefragte Frage an Autoren sein, schätze ich. Sozusagen ein UltraFuck, äh … Faq ;-)

Frage: Wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Ideen?

Antwort: Ich möchte hier ein sehr aktuelles Beispiel für eine Inspiration geben. Wenn also der Autor von der Muse geküsst wird. In diesem Fall passt die Metapher, denn es handelt sich tatsächlich um das Bild von Lippen, die sich treffen:
Der Kuss

Die küssenden Fische – dieses Titelbild eines Aquarienbuchs von Alfred van den Nieuwenhuizen aus dem Jahr 1962 hat mich inspiriert. Ich glaube nicht wirklich, dass sich diese Fische küssen. Eher sind es Männchen, die ihren Revierkampf mit den Lippen austragen, auf dass der Stärkere gewinnt. Dieses Buch – EXOTEN IM AQUARIUM – ist sehr liebevoll gestaltet, mit extra eingeklebten Bildern des begeisterten Aquarianers und begnadeten Fotografen Nieuwenhuizen. Ich habe es seit über zwanzig Jahren und räume gerade meine Bibliothek aus, um Platz zu schaffen … und dann dieses Bild!

Setzte bei mir sofort die Geschichte eines unglücklichen Mannes meines Alters frei. Ein einsamer Aquarianer mit sehr vielen Becken! Vielleicht ist ihm die Frau weggelaufen, weil er sich mehr um die Fische und die Fotographie gekümmert hat, als um den Menschen, den er am meisten liebte.
Vielleicht liebte er seine Frau nicht mehr. Vielleicht ist sie nicht gegangen, sondern gegangen WORDEN …
Vielleicht starrt der einsame Aquarianer in dieses Becken, es mag ein großes, liebevoll gestaltetes Landschaftsaquarium von der Fläche zwei mal ein Meter sein …
Ist es ganz neu?
Ist der Boden darunter aus frischem Beton gegossen? (Natürlich, damit er das Gewicht des neuen Beckens tragen kann!)
Seit wann wird seine Frau vermisst?
Haben die Nachbarn nicht fast eine Woche lang ein regelmäßiges Hacken gehört?
Und die Säcke, die er früh morgens zum Auto getragen hat?
Eine elektrische Säge? Sind Sie sich ganz sicher? Das haben Sie gehört?

Ich sehe diesen Mann, etwas übergewichtig, sehr gepflegt, der seinen bequemen Ledersessel ganz nah an die Panoramascheibe des Aquariums gerückt hat. Ein Glas Rotwein in der Hand, mit dem Abfülldatum der Eheschließung. Nur zehn Jahre später. Der besondere Tropfen, extra aufgehoben zum Hochzeitstag. Er starrt in das Becken. Er sieht zu, wie sich die Fische zu küssen scheinen.
Ein Kommissar taucht auf. Und stellt Fragen. Vielleicht besser eine Kommissarin. Eine Frau.
Und der Mann kann alle Fragen beantworten – während er die Fische beobachtet, wie sie um ihr Revier kämpfen.
Und die Frau sagt: „Sehen Sie, die küssen sich ja!“ Sie ist begeistert. Denn es sieht so zärtlich aus.
Und der Mann sagt „Ja“, lächelt und steht aus seinem Sitz auf. Die Rotweinflasche in seiner Hand …

Die Heldin könnte Hanna Broder, die Kommissarin aus TÖDLICHE STILLE sein.

Der Kuss

So funktioniert das mit der Idee, der Muse und dem ganzen Rest ;-)

Gruß und Kuss – Oliver Pautsch


Rampensau

28. Oktober 2007

Ok, ich geb’s zu.
Zweimal den gleichen Gag als Aufwärmer für meine beiden ersten Lesungen von TÖDLICHE STILLE gebraucht zu haben.
Weil es bei der Eisbein-Lesung in der Scheune des Gutshofs von Schloss Benrath funktioniert hatte, habe ich das Eis in der anständig geheizten Hildener Bücherei damit noch mal gebrochen.
Die Kamera gezückt und zu Beginn der Veranstaltung erzählt: „Mein Sohn Luis ist viereinhalb Jahre alt und wir lesen ihm jeden Tag vor. Er glaubt mir nicht, das SO VIELE Leute GELD bezahlen, um von MIR vorgelesen zu bekommen. Mit Ihrem Einverständnis mache ich deshalb jetzt ein Beweisfoto.“
(So oder ähnlich)

Die Reaktion des Publikums in Hilden war ähnlich gelöst und freundlich wie die in Benrath:

Publikum Hilden 2007

Und die Geschichte mit Luis ist ABSOLUT WAHR! Das nur zu meiner Entlastung ;-)

Das wirklich Spektakuläre für mich an dieser NACHT DER BIBLIOTHEKEN in Hilden war die Premiere, mit Daniel Kögel im Duo aufzutreten. Daniel hat als Pianist die von mir gelesenen Episoden um die Kommissarin Hanna Broder am Flügel begleitet. Und was kann einer Geschichte um fiktive Verbrechen an der Klavierbaudynastie Styneberg u. Sons besseres passieren, als von einem erstklassigen Pianisten begleitet zu werden ?-)

Die musikalische Auswahl passte ebenfalls zum Roman: von J.S. Bach über Police, Queen und die Joe Cocker Version von „With a Little Help from My Friends“ … alles coole Nummern!

Die komplette Liste: (und das darf SEHR gern als Werbung für weitere Auftritte des Dynamic Duo gelten ;-)

1) „Invitation“ – (Intro)
2) „Blue Train“
3) „How Insensitive“ – A.C. Jobim
4) „With a Little Help from my Friends“ – Beatles, Cocker’s Version
5) „Who Wants to Live Forever“ – Queen
6) „Präludium C-Dur, Wohltemperiertes Klavier“ – Johann S. Bach
7) „Don‘ t Stand So Close to Me“ – The Police
8) „Invitation“ – (Outro) … äh (Extro ?-)

Nach der Lesung hat Daniel weiter gespielt, während ich Bücher signiert habe. Wir waren eine würdige Vorgruppe für die offizielle Harry Potter #7 Enthüllung, finde ich.


method reading

24. Oktober 2007

Wenn es um eiskaltes Wasser, blau gefrorene Opfer und ständig frierende Ermittler geht, liest man normalerweise Kriminalromane von Henning Mankell oder von einem seiner anderen nordischen Kollegen. Im muckelig warmen Bett.

Am Montag, den 22. Oktober haben sich über sechzig mutige (und fröhliche!) Survival-Zuhörer in einer Scheune eingefunden, um einer Premiere im doppelten Sinn beizuwohnen:

lesung-benrath1.jpg

1) Pautsch liest aus TÖDLICHE STILLE

in

2) der historischen Scheune des Gutshofs von Schloss Benrath. Düsseldorf

benrath2.jpg

Nicht nur ein neues Buch, auch der Veranstaltungsort war jungfräulich. Hinter mir säuberlich geschichtet Brennholz (für die Schlosskamine?). Neben mir geparkt stand sogar eine originale Postkutsche. Die Stadt Düsseldorf hat sie dort eingemottet, weil ein Platz im Museum fehlt.

Was an der Veranstaltung „method reading“ gewesen sein soll? Nun ja, während meine Heldin Hanna Broder in eiskaltem Itterwasser zu ertrinken drohte, froren die Zuhörer und ich uns in der Scheune die Hintern ab. Mein Unterkiefer wurde taub. Die letzten Seiten nach sechzig Minuten konnte ich kaum noch umblättern. Rote Nasen allerorten. Aber irgendwie waren wir fröhliche Frierer …
Und Ihr ein sehr tapferes Publikum, ehrlich! Das muss ich noch einmal wiederholen. Die ganz harten Survivalisten ließen sich von mir sogar noch mit blauer Hand etwas in die Bücher krickeln, bevor sie aus der Scheune zitterten. Von irgendwoher war eine Stimme zu hören: „Ich lass‘ mich morgen krankschreiben!“

Danke! Diese Premiere macht mir Mut, aus TÖDLICHE STILLE in beheizten Räumen vorzulesen. Für Warmduscher und Weicheier – herzlich willkommen ;-)

Am Freitag bin ich zusammen mit dem Pianisten Daniel Kögel anlässlich der NACHT DER BIBLIOTHEKEN in der Hildener Stadtbücherei sozusagen die Vorgruppe zum Großen-Harry-Potter-VII-Start.
Das passt, weil Bekannte, Nachbarn und Freunde immer gern empfehlen: „Schreib doch mal sowas wie diese Harry Potter Romane! Das wär‘ doch was!“

Ja, das wäre wirklich was … (seufz)


TÖDLICHE STILLE – Kriminalroman

5. Oktober 2007

ENDLICH!

Ist das Buch erschienen! Das Titelbild bei Amazon.de ist Geschichte, der Emons Verlag hat kurz vor Erscheinen noch ein anderes (und wie ich finde: besseres!) Cover entwickelt.

Erste Reaktionen der Presse auf den Roman aus der Region gibt es auch bereits: Radio Neandertal hat ein Mini-Interview gesendet.

Und die Rheinische Post Solingen hat sich positiv über das Buch geäußert, finde ich: hier die Rezension

oder hier: RP Solingen 07.10.05 TOEDLICHE STILLE.pdf

Ein Artikel der NRZ ist leider nicht mehr online zu finden. Wenn ich den Scan habe, lege ich nach …

Cover


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